19 Mai, 2009

Am Berg die Sonne, die Freud' und das Licht

... im Tal der Nebel, das Weib und die Pflicht... schrieb einst ein Bergsteiger ins Gipfelbuch. Ich hatte oben definitv keine Kraft mehr irgendwas zu schreiben, denn hinter Alex und Peter auf den Berg zu radln war eine der gröberen sportlichen Herausforderungen der letzten Jahre.

Unsere bescheidene Unterkunft

Bei uns ist man ja in zwanzig Minuten auf jedem Berg. Was ist also naheliegender, als mal einen Trip in Richtung echtes Gebirge zu wagen, vor allem, wenn Alex das schon so super anpreist? Ein bisserl an der Radform werkeln kann nie falsch sein. Ein paar Wochen später wache ich auch schon im Heeressportzentrum in Innsbruck auf, und mache mich auf die Socken, möglichst viele Marmeladesemmeln in mir unterzubringen. Damit mir dann am Berg nicht die Kraft ausgeht.

Der erste Pass ist geschafft!

Am ersten Tag stehen der Brenner und darauf der Jaufenpass am Programm. 140km und 2300 Höhenmeter sind eine Ansage, die sich sehen lassen kann. Wir haben - wie alle übrigen Tage auch - ziemliches Glück mit dem Wetter. Zwar hängen viele Wolken über Innsbruck, nass werden wir aber nie. Kontinuierlich erarbeiten wir die ersten 40 Kilometer Steigung über den Brenner. Ja, 40 Kilometer bergauf. Das ist ziemlich irre, wenn auch nicht besonders Steil. Wirklich spannend wird es allerdings erst nach einer kurzen Transferetappe, als sich der Jaufenpass deutlich heftiger als der Brenner aufstellt. Oben angekommen ist das aber schnell vergessen. Die Fahrt zwischen den mannshohen Schneewächten war einfach zu beeindruckend. Am Abend kann ich trotz sechs Stunden Fahrzeit und 6500kcal keine Ruhe finden. Ich bin dem Pass-Bezwingen verfallen.

Letzter Tag. Die Oberschenkel sind schon ein wenig flau beinand.

Am nächsten Tag nehmen wir uns die schönste Tour vor: das Kühtai. Immerhin 25km Steigung mit bis zu 16%. Wem das nichts sagt: macht nichts, ich hab mir unter 16% auch nix vorstellen können. Jetzt weiß ich: 16%, das ist das äußerste, das Du noch fahren magst. Oder ich. Neben mir haut es reihenweise die Gämsen aus den Patschen. Unglaublich. Zwei dieser Steigungen - beide nicht zu kurz - hat der Berg zu bieten. Der Vortag hängt mir in den Oberschenkeln. Trotzdem gibt's kein Absteigen, und die geniale Kulisse entschädigt sowieso für alles. Besser ist nur die Abfahrt ins Tal, die sich in engen Serpentinen durch malerische Dörfer schlängelt. Dass ich dabei halb erfriere ist Nebensache.

Alex jammert in der Früh über schwere Beine, um dann beim Radln jedes Mal zu Höchstform aufzulaufen

Die für den Freitag geplante Tour auf's Hantenjoch wird wegen Murengefahr leider 300 Höhenmeter unter dem Gipfel beendet. Macht nix, wir haben eh schon genügend Berg in den Beinen, und die Rückfahrt gegen den omnipräsenten Gegenwind wird auch nicht anstrengungsfrei.

Brenner und Jaufenpass. Mehr braucht man dazu eh nicht sagen.

Am Ende der Trainingswoche, die ich am Sonntag noch mit einem 20km Lauf abrunde, stehen 18 Stunden, 399km, 5000 Höhenmetern und 19.300kcal in der Trainingsdokumentation. Der Rupertiberg, der mich beim Ironman erwartet ist mit insgesamt 1100hm über alle Runden ein Kindergeburtstag. Kette rechts und geht schon. Samstag nächste Woche sehe ich aber zunächst einmal, was gesteigerte Bergtauglichkeit in der Ebene erwirkt.