31 Mai, 2009

Viennaman Halbdistanz

Scheinbar kann man nicht nur Bier gut gekühlt geniessen, sondern auch eine Halbdistanz. Wenn man in der Früh auf's Thermometer schaut, und es hat grade mal 7°C fragt man sich aber schon kurz, was eigentlich aus dem Sommer geworden ist.

Hm, irgendwie schauts da nicht so kalt aus, wie es tatsächlich war.

Während der Anreise zum Viennaman formiert sich in mir dezenter Widerwille. Muss das sein? Bei strömenden Regen Radfahren? 90km? Und erst das Schwimmen. Die Zeit bis zum Start vergeht zum Glück erstaunlich schnell, und bevor ich noch weiß, was da passiert, gehts auch schon los. Bester Kommentar der Rennleitung: "Gute Nachrichten von der Hohen Warte: der Regen wird wärmer!".

Ich bin diesmal die Treppen ziemlich schwer angeschlagen hinauf gewankt

Einige Minuten nach dem Schwimmstart macht sich in mir so etwas wie milde Euphorie breit. Klar, im Wasser hat's auch 18°C, draussen hingegen nur 11°C. Ich liege gut im Zug, und finde schnell einen Platz in der Masse. Kleinere Abreibungen sind auch diesmal dabei, aber nichts gegen Obergrafendorf. Langsam denke ich, dass es sogar Spaß machen könnte. Starten, wenn die ganzen Weicheier nicht antreten, wenn alle Wellnesstriathleten lieber zu Hause geblieben sind. In der zweiten Runde dämpft sich die aufstrebende Stimmung dann doch wieder ein wenig - es wird kalt, und zwar in den Zehen. Zum Glück ist es dann jedoch auch schon fast geschafft.

Ich sprinte von der Asstiegsstelle zur Wechselzone, und beginne an meinen mit einem Plastiksackerl bedeckten Sachen herumzuhantieren. Eigentlich wollte ich dieses Mal meine Wechselzonenzeiten gegenüber Obergrafendorf deutlich verbessern, aber das miese Wetter fordert mindestens eine warme Jacke für die Radstrecke, und eine Abdeckung gegen den Regen. Und so bleiben in T1 gleich einmal 3:14 Minuten liegen.

Besonders Aerodynamisch: die puffige Plastikjacke

Das Radfahren ist mörderisch: eisiges Wasser spritzt mir in die Augen, obwohl ich eine Brille aufhabe, die Knie werden schlagartig tiefgekühlt, und mir frieren die Füße völlig ab. Ich habe grobe Probleme bei den niedrigen Temperaturen überhaupt an meine Wettkampfgeschwindigkeit zu kommen. Das werden verdammt lange 90 Kilometer. Zwischendurch schleichen sich immer wieder leichte Motivationsprobleme ein. Warum sich überhaupt so quälen? Am Rand stehen diesmal verdächtig viele Athleten mit Reifenpannen. Ein bisserl zu viele für meinen Geschmack. Vier kaputte Reifen schon in der ersten halben (!) Runde schreien für mich ein wenig zu sehr nach Aufgabe. Als ich jedoch in der ersten Runde meine halb erfrohrene Süße beim Anfeuern mit vollem Enthusiasmus sehe, muss ich nachlegen. So geht's nicht. Endgültig reißt mir der Faden, als mich in Runde drei kurz ein völliger Unsympathler am Trekkingrad mit Triathlon-Lenker überholt. Den Deppen will ich nicht vor mir haben - ich hänge mich voll rein, und kämpfe mich gegen den mittlerweile immer stärker werdenen Gegenwind durch. In der letzten Runde merke ich schon, dass meine Oberschenkel nicht mehr ganz mitspielen. Kein Wunder - 33km/h Schnitt bei den Bedingungen sind für mich kein Lärcherl. Mit gemischten Gefühlen stelle ich das Rad in die Wechselzone, und starte auf die Laufstrecke.

Klausi-M. rollert an

Es ist nur mehr Mühsam. Ich spüre meine Füße nicht. Es fühlt sich ziemlich genau so an, als hätte mir jemand die Füße abgehackt, und ich müsste nun auf den Stümpfen laufen. Grauslich, aber so war's. Für vier Kilometer keine Regung. Ich mache mir Sorgen. Sorgen scheinen aber gut für die Geschwindigkeit zu sein, denn ich komme auf der Laufstrecke auf 4:46min/km Durchschnittsgeschwindigkeit. Die Bedingungen bessern sich, die Wolken schieben sich auf die Seite und plötzlich ist nur mehr blauer Himmel über mir. Für ein perfektes Finish. Die fünf Runden vergehen wie im Flug, nur die letzte zieht sich etwas dahin, und ich bekomme Seitenstechen. Einmal noch reinbeißen, Ziellinie, Medaillie, danke. Ich bin verdreckt, erleichtert und zum ersten Mal an diesem Tag ist mir angenehm warm.

Nur noch eine Runde!

Die fünf-Stunden-Marke fällt mit 5:03:44 leider diesmal nicht, aber angesichts der Bedingungen bin ich sehr zufrieden. Von 400 Startern haben sich gerade einmal 264 an den Start getraut, und ich habe ganz ehrlich auch hin und her überlegt. Rückblickend war's natürlich einer jener Wettkämpfe, die in Erinnerung bleiben. Klaus hat das Ziel übrigens schon nach 5:38:19 Stunden gesehen, und damit auch eine ordentliche Zeit hingelegt.

Schremser finisht!

So wichtig wie nie war dieses Mal die Unterstützung vom Streckenrand. Kathy, Lisi, Eltern, Haymo, Karin, und diverse Unbekannte haben teilweise sogar echte Ironman-Stimmung aufkommen lassen. Danke für Euer Engagement! Wir rennen ja nicht, wenn keiner zuschaut.