Was ursprünglich aussieht wie ein ordentliches Bäuerchen gewinnt durch Austrocknung im Backofen auch nicht mehr wahnsinnigSo begab es sich, dass ihr Bruder Richard und ich gemeinsam für sehr lange Zeit sehr viel Hermann vorgesetzt bekamen, und darunter auch sehr gelitten haben. Monika schien die würgenden und keuchenden Essgeräusche als Wohlgefallen fehlzuinterpretieren. Vielleich hat sie sich auch gedacht: "wäh, wie kann einem das Zeug nur schmecken". Jedenfalls fanden wir uns in einer fatalen Teufelsspirale der Backtradition wieder - und jetzt sag mal deiner besten Freundin nach dem fünften Hermann, dass Du lieber einen Blumentopf essen würdest.
Richard und ich waren uns einig, und der Entschluss schnell gefasst: wir werden Hermann töten. Dazu kippten wir eine ordentliche Menge Salz und Pfeffer, getrockneten Knoblauch und alle anderen Gewürze in den Teig, die gerade im Küchenschrank zu finden waren. Nachdem alles gut eingerührt war, stellten wir Hermann wieder an seinen Lieblingsplatz, mit dem Gewissen, dass er elend an Gewürzvergiftung zu Grunde gehen würde.
Ich kann mich nicht erinnern, ein derartiges Gefühlschaos jemals wieder durchlebt zu haben: einerseits war ich von Schuldbewusstsein und schlechtem Gewissen gequält, andererseit hab ich mich fast nass gemacht, als Monika uns mit ernster Miene über Hermanns dahinscheiden informierte. Da darf man dann natürlich nicht laut loslachen.
Erst vor einem Jahr habe ich Monika erzählt, was dem armen Hermann wirklich passiert ist. Es hat sie nicht sehr aufgeregt. Ich glaube sie hat es mittlerweile schon ganz gut überwunden. Wahrscheinlich weiß sie aber, dass ich mit der Angst lebe, das einer der anderen Hermänner überlebt hat, und eines Tages zurückkehren wird, um sich an mir zu rächen.
