Weil mir das Rechnungswesen schon im Kolleg tiefsitzenden Respekt verpasst hat, habe ich beschlossen, diesmal vorbereitet zu sein. Mit der Betonung auf "vor". Das bedeutet: vor dem ersten Vortrag schon in das Skriptum einarbeiten, damit es mich nicht komplett aufgestellt. Und so lerne ich den ersten von drei Studienbriefen brav auswendig. Schadet ja nicht zu wissen, aus welchen Teilen das Rechnungswesen bestehen mag.
In der Vorlesung Nummer eins zum Thema dann mein glanzvoller Auftritt: auf Zuruf nenne ich zackig und ohne Stotterer auswendig die vier Grundfragen des Rechnungswesens. Aus der Hüfte geschossen sozusagen. Ich kann das Entsetzen meiner Mitstudenten fast körperlich spüren. Die Strebersau hat vorgelernt. Ja, hab ich -HARRR! Und deswegen habe ich jetzt nur mehr 190 statt 240 Seiten auswendig zu lernen!
Das Rechnungswesen verspeist genüsslich eine standardisierte Kontonummer aus dem EinheitskontenrahmenDer Rechnungswesendompteur ist aber leider kein besonders zaghafter Mann, und schreitet hurtig im Studienbrief voran. Mein toll auswendig gelerntes Wissen ist bald schon hinter uns verblasst, und wir sind dreißig Seiten weiter. Ich lege die Ohren an und weiß: das werden noch drei harte Wochen. Drei harte Wochen mit mir, dem imparitätischen Realisationsprinzip und ähnlichen Nettigkeiten, die man dort lernt. Bin ich froh, dass ich mich zumindest mit dem Programmierkrempl auskenn.
